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Bundesbank-Analyse ETFs könnten einen Absturz an den

 

Märkten beschleunigen

 

 

Politik hat die Bürger betrogen, wer es nicht

 

glaubt sehe  diesen folgenden Beitrag an:

 

Livestream Die Macht der Superreichen

 

Von Milliardären und Minijobbern

 

Film von Chris Boulding

 

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Wenn es an den Märkten brennt, sind börsengehandelte Fonds nach einer Analyse der
 
 
Bundesbank manchmal im Nachteil gegenüber traditionellen Fonds.
 
 
23.10.2018 - 10:22 Uhr Kommentieren
 
Bundesbank: ETFs könnten Absturz an den Märkten beschleunigen Quelle: dpa
Fallende Kurse

 

Wenn es knallt, gelten plötzlich andere Regeln.

 

(Foto: dpa)
 

FrankfurtSeit Jahren schon gibt es die Diskussion: Sind börsengehandelte Fonds, so genannte

 

ETFs (Exchange Traded Funds),

 

gefährlich? Verzerren sie die Märkte, und können sie

 

sogar das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen?

 

Die Deutsche Bundesbank wollte es genau wissen und hat nachgerechnet. Dabei hat sie

 

besonders Tage mit hohem Stress an den

 

Märkten unter die Lupe genommen – den 6. Mai 2010,

 

den 24 August 2015 und den 5. Februar 2018. Das Ergebnis lautet zusammengefasst: Anleger

 

bekommen bei Kurseinbrüchen

 

möglicherweise relativ schlechte Kurse, wenn sie ETFs

 

verkaufen wollen.

 

Einen Einfluss auf die Preisbildung an den Märkten stellt die Bundesbank bisher nicht fest, schließt

 

aber nicht aus, dass sich das mit

 

wachsender Bedeutung der ETFs ändern könnte.

 

Außerdem heißt es: „Insgesamt scheinen die von ETFs ausgehenden spezifischen Risiken für das

 

gesamte Finanzsystem derzeit –

 

auch wegen der noch vergleichsweise geringen Größe

 

des Sektors – begrenzt.“ Immerhin gebe es aber „Potenziale zur kurzfristigen Verstärkung von

 

Phasen ausgeprägter Anspannung an

 

den Finanzmärkten“, schreibt die Bundesbank im

 

neuesten Monatsbericht.

 

Für Anleger ist vor allem interessant, in welcher Beziehung ETFs anders reagieren als klassische

 

Investmentfonds, die nicht selber an

 

der Börse gehandelt werden, oder als direkt

 

gekaufte Wertpapiere. Hier fällt vor allem eines auf: In ruhigen Marktphasen sind ETFs besonders

 

liquide, bei hohem Stress können sie

 

aber besonders illiquide sein.

 

Dabei misst die Bundesbank Liquidität ganz klassisch durch die Spanne zwischen An- und

 

Verkaufspreisen. Die ist in normalen Phasen

 

bei ETFs im Durchschnitt niedriger als bei der

 

direkten Anlage. In den Jahren 2013 bis 2017 etwa lag diese Spanne, der „Spread“, beim Dax

 

selber bei 4,5 Basispunkten (0,045

 

Prozent), beim entsprechenden ETF aber nur bei 3,9

 

Basispunkten.

Bei europäischen Aktien war der Abstand besonders groß: 4,5 Basispunkte beim FTSE Europe

 

gegenüber 1,9 Basispunkten bei den

 

ETFs. Und beim US-Index S&P 500 lag die Spanne

 

bei 2,5 Basispunkten gegenüber nur 0,5 Basispunkten bei den ETFs. Die Beispiele zeigen auch: Je

 

größer der Markt, desto liquider

 

sind die Indizes und vor allem die entsprechenden ETFs.

 

Wenn Panik aufkommt, sind die Anbieter von ETFs anders als bei traditionellen Fonds aber nicht

 

verpflichtet, die Anteile sofort zum

 

anteiligen Wert des zugrunde liegenden Portfolios

 

zurückzunehmen. Daher kann es vorkommen, dass der Börsenwert eines ETFs stärker sinkt als

 

der seines eigenen Portfolios.

 

In der Regel gleicht sich das sehr schnell wieder aus, außerdem sind die Anbieter auch verpflichtet,

 

bei größeren Abweichungen

 

einzugreifen. Aber in einer Panik verkaufen ja besonders

 

viele Anleger – und bekommen also möglicherweise schlechtere Kurse als bei der direkten Anlage

 

oder auch bei einem klassisch Fonds.

 

Die Bundesbank nennt noch ein weiteres Risiko. ETFs generieren zum Teil einen guten Anteil ihres

 

eigenen Ertrags dadurch, dass sie

 

Wertpapiere verleihen, oft an Investoren, die sie im

 

Rahmen von Termingeschäften vorübergehend benötigen. In der Regel bekommen sie dafür

 

andere Papiere als Sicherheit.

 

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KOM­MEN­TAR

 

Viel Lärm um... drei Pro­zent

 

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Über­schrei­tung ei­ner Hür­de manch­mal we­nig be­deu­tet. Mehr...

 

In schwierigen Marktphasen kann es passieren, dass solche Geschäfte platzen, der ETF das

 

verliehene Papier also nicht

 

zurückbekommt, und die Sicherheit sich auf einmal als

 

ungenügend herausstellt. In dem Fall kann es zu Verlusten kommen, die der Anleger zu tragen hat,

 

und bei „extremen Szenarien“

 

könnte ein „allgemeiner Verkaufsdruck“ entstehen,

 

„welcher die Preisrückgänge noch beschleunigen würde“.

Die Bundesbank schreibt aber, dass solche Leihgeschäfte auch von traditionellen Fonds betrieben

 

werden. Das zusätzliche Risiko

 

besteht also nur gegenüber der direkten Anlage.

 

Anders gesagt: Das Problem sind eher die Leihgeschäfte als die ETFs.

 

Außerdem gibt es neben ETFs, die tatsächlich Wertpapiere erwerben, auch solche, die zum

 

Beispiel einen Aktienindex nachbilden, indem sie bestimmte Geschäfte am Terminmarkt

 

abschließen. Dabei spielen vor allem Swaps eine Rolle, bei denen bestimmte

 

Vermögensgegenstände auf Zeit gegen andere

 

ausgetauscht werden, also eine Art gegenseitiger Leihe stattfinde.

 

Bei einer Krise könnte es passieren, dass solche Geschäfte platzen, weil die Gegenseite nicht

 

liefern kann. Besonders in Europa, heißt

 

es aber bei der Bundesbank, sei der Anteil der

 

synthetischen ETFs zurückgegangen. Tatsächlich gibt es seit Längerem weltweit einen Trend, dass

 

Investoren auf eine reale Anlage ihres Gelds pochen, weil sie misstrauisch

 

gegenüber den Konstruktionen sind, auf denen die synthetischen ETFs basieren.

 

Insgesamt sind ETFs vor allem für Aktien beliebt, und vor den meisten klassischen Fonds zeichnen

 

sie sich durch deutlich niedrigere

 

Kosten aus. Außerdem werden ETFs meist als

 

passive Fonds aufgelegt, die einen Börsenindex nachbilden, statt auf einem aktiv verwalteten

 

Portfolio zu beruhen. Es gibt aber in

 

kleinerem Umfang auch aktiv gemanagte ETFs, und

 

umgekehrt, vor allem im institutionellen Bereich, auch passive Anlage, die keine ETFs sind.

 

Fazit also: Wirkliche Risiken durch ETFs für das Finanzsystem sind bisher nicht absehbar,

 

jedenfalls nicht in höherem Maß als durch traditionelle Fonds. Anleger dagegen können in

 

Krisensituationen mit einem ETF möglicherweise etwas schlechter abschneiden als mit der direkten

 

Anlage oder mit einem traditionellen Fonds.

 

Dafür ist bei einer direkten Anlage aber zumindest für Privatanleger keine so breite Risikostreuung

 

möglich wie mit Fonds. Und gegenüber traditionellen Fonds dürften die generell

 

niedrigeren Kosten der ETFs die möglichen Nachteile bei Marktturbulenzen bei Weitem

 

überwiegen.

 

Korrekturvermerk: In einer ersten Fassung waren als Einheit bei den Spreads irrtümlich "Prozent"

 

statt "Basispunkte" angegeben worden.

 

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